Inhouse-Videograf oder externe Produktion: Was sich im Hamburger Mittelstand wirklich lohnt
Die Frage Inhouse-Videograf oder externe Produktion kommt in fast 25% aller Erstgespräche. Meistens nicht offen, sondern im Nebensatz: „Wir überlegen schon länger, ob wir das nicht selbst machen sollten.“ Hinter dem Satz steht selten eine fertige Strategie. Hinter dem Satz steht ein Marketing-Team, das von oben den Auftrag bekommen hat, mehr Bewegtbild zu liefern, ohne dass das Budget mitwächst.
Ich bin dabei kein neutraler Beobachter. Ich verkaufe externe Produktion. Trotzdem ist meine Antwort auf die Frage Inhouse-Videograf oder externe Produktion in vielen Fällen: Baut intern eine Kraft auf. Das überrascht die meisten, weil sie ein Verkaufsgespräch erwarten, in dem ich erkläre, warum sie mich brauchen. So einfach ist es nicht.
Wann die Frage im Unternehmen aufkommt
Meistens passiert vorher etwas Bestimmtes. Entweder: Es wird Marketing-Budget evaluiert, irgendwo soll gespart werden, und Bewegtbild rückt als verzichtbarer Posten in den Blick. Oder: Im privaten Umfeld der Geschäftsführung gibt es jemanden, der eine Kamera zum Geburtstag bekommen hat, der Neffe, die Tochter, ein befreundeter Praktikant. „Da kann die das doch machen.“ Das ist der Weg, von dem ich am stärksten abrate.
Die dritte Variante: Die Marketing-Abteilung selbst entwickelt Lust darauf. Filmen macht Spaß, das Team will mehr Verantwortung, und das iPhone in der Hosentasche reicht ja angeblich für Reels. Wenn der eigene Antrieb da ist, ist das die beste Ausgangslage von allen drei. Trotzdem unterschätzen die meisten Mittelständler dabei eine Sache komplett: Sie glauben, sie bekommen mit einer Inhouse-Kraft eine Person, die alles abdeckt. Imagefilm, Social Media, Eventbegleitung, Business-Portraits, kurze LinkedIn-Clips. Eine Person, alle Formate.
Das funktioniert nicht. Jedes dieser Formate ist ein eigenes Handwerk mit eigener Lernkurve. Wer Reels für TikTok produziert, hat selten den Blick für eine Talking-Head-Lichtsetzung im Imagefilm. Wer Imagefilm kann, ist nicht automatisch gut in vertikalem Schnitttempo für Social Media. Inhouse heißt nicht „alles aus einer Hand“. Inhouse heißt: einen Bereich richtig gut können.
Was Inhouse wirklich kostet
Eine pauschale Zahl kann ich nicht nennen, weil zu viele Variablen mitspielen. Aber drei Posten lassen sich grob umreißen.
Equipment, Software, Schulung
Wenn nicht ausschließlich mit dem iPhone gearbeitet werden soll (was in manchen Social-Media-Setups durchaus eine Option ist), dann landest du bei Equipment, Kamera, Rechner, Speichermedien, Kabeln und einer Komplettlösung schnell im Bereich von 10.000 Euro. Eine ordentliche Einarbeitung oder Schulung kostet zusätzlich 2.000 bis 5.000 Euro. Software, Lizenzen, Cloud-Speicher kommen oben drauf.
Wer mit einem schmalen Startpaket inhouse loslegen will, sollte 15.000 bis 20.000 Euro für Equipment und Setup einkalkulieren. Plus Gehalt. Beim Gehalt geht die Spanne weit auseinander. Berufseinsteiger nach einem Studium in Kommunikationsdesign oder Fotografie starten anders als jemand, der drei oder vier Jahre selbstständig gefilmt hat und mit einer Spezialisten-Gehaltsvorstellung um die Ecke kommt. Schau dir an, was im Internet aktuell für „Videograf in Festanstellung Hamburg“ aufgerufen wird, und rechne damit.
Vergleichsrechnung extern
Damit du eine Größenordnung hast: Ein klassischer Imagefilm bewegt sich bei einer guten externen Produktion in einer Range von 8.000 bis 10.000 Euro. Bei einer Mengenbeauftragung von 6 bis 12 Filmen im Jahr lässt sich das mit einem Mengenrabatt von rund 15 Prozent rechnen. Für laufende Social-Media-Produktion kannst du mit einem Benchmark von 2.500 bis 4.000 Euro pro Monat kalkulieren, je nach Frequenz und Format-Tiefe.
Wenn du diese Zahlen gegen ein Inhouse-Setup mit Gehalt, Equipment und Drumherum stellst, siehst du schnell: Bei kleineren Volumen (sechs Imagefilme im Jahr, kein eigener Social-Media-Kanal) ist extern fast immer günstiger. Sobald die Schlagzahl steigt, kippt das Verhältnis.
Es gibt keinen Punkt, ab dem es sich automatisch rechnet
Hier weiche ich von dem ab, was die meisten Berater erzählen. Es gibt nicht die eine Volumen-Schwelle, ab der Inhouse sich rechnet. Was es gibt, ist ein gutes Mittelfeld: nicht zu wenig, sonst lastet die Kraft nicht aus, nicht zu viel, sonst zerreißt sich die einzelne Person zwischen Formaten.
Klein anfangen, einen Bereich nach dem anderen
Meine Empfehlung an alle, die ernsthaft über die Frage Inhouse-Videograf oder externe Produktion nachdenken: Fang nicht groß an. Nimm einen kleinen Teilbereich und baue dort eine Inhouse-Expertise auf. Konkret kann das heißen:
- Nur Social Media, und dort sogar nur eine Plattform, zum Beispiel TikTok
- Nur Unternehmenskommunikation, also wöchentliche Talking-Head-Updates auf LinkedIn
- Nur ein Podcast, als Langzeitprojekt mit Wiedererkennungswert
Was du nicht tun solltest: Eine Person einstellen, die parallel filmen, schneiden, Imagefilm planen, Social Media betreuen und Eventfotografie liefern soll. Da fehlt am Anfang die Tiefe in jedem einzelnen Bereich, und am Ende ist nichts richtig gut.
Wo der Qualitätsunterschied am stärksten sichtbar wird
Ehrliche Einordnung, nach Format sortiert.
Imagefilm.
Hier sieht man den Unterschied zwischen Inhouse und externer Produktion am deutlichsten. Lichtsetzung, Tonqualität, Bildsprache, Schnitt-Rhythmus. Bei Imagefilm und hochwertigen Talking-Head-Produktionen bricht das Bild bei Inhouse-Setups sehr schnell auseinander, vor allem wenn die Person nicht aus einer Filmproduktion kommt. Welche Schritte ein sauberer Ablauf einer Imagefilm-Produktion hat, haben wir in einem eigenen Beitrag durchgesprochen.
Social Media
Hier sieht man den Unterschied bei einer gut instruierten Inhouse-Kraft kaum. Wenn die Standards vorgegeben sind, läuft Social-Media-Content inhouse oft sogar besser, weil schneller, näher am Tagesgeschehen, mit echtem Insider-Wissen. Welche Plattform für welches Ziel funktioniert, haben wir im Plattform-Vergleich Reels, Shorts und TikTok sortiert.
Dokumentarfilm
Langformat, hoher Anspruch, mehrere Drehphasen. Geht inhouse meistens schief. Hier brauchst du eine Produktion, die drei oder vier Drehblöcke koordinieren, im Schnitt eine Story bauen und beim Erzählen die Distanz halten kann.
Was Inhouse besser kann als jede externe Produktion
Das größte Plus von Inhouse heißt Insider-Wissen. Zwischen Käffchen und Wasserspender entsteht ein Wissensaustausch, den keine externe Produktion in 30 Minuten Erstgespräch nachbauen kann. Die Inhouse-Kraft weiß, welcher Kollege gerade an welchem Projekt sitzt, welche Geschichte sich vor zwei Wochen im Vertrieb ereignet hat, welcher Kunde heute zufällig im Haus ist.
Daraus entsteht Geschwindigkeit. Ein spontanes Talking-Head-Update mit dem Geschäftsführer? Ein Zoomlink, 15 Minuten, fertig. Eine externe Produktion bekommt das in dieser Geschwindigkeit nicht hin und will es auch gar nicht. Wir wollen einen geplanten Drehtag mit klarer Vorbereitung, nicht den Spontandreh zwischen Tür und Angel.
Dazu kommt: Wenn die Filmproduktion ins Haus kommt, sagen alle „Da sind sie“, und die Belegschaft ist emotional investiert. Bei einer Inhouse-Kraft ist die Schwelle niedriger. Pilotprojekte lassen sich anteasern, ausprobieren, verwerfen, ohne dass jemand das Gefühl hat, ein Riesen-Budget verbrannt zu haben.
Hybrid: Wir liefern den Stamm, ihr macht die Äste
Mein Lieblings-Modell, weil es für die meisten Mittelständler am besten funktioniert: Externe Produktion liefert ein bis zweimal pro Jahr ein großes Content-Piece, einen Imagefilm oder einen Dokumentarfilm. Aus diesem Hauptmaterial entstehen 10 bis 15 kleinere Derivate inhouse: Soundbites für Social Media, Quote-Cards, Snackable-Clips für LinkedIn.
Wir verkaufen dabei die Nutzungsrechte an dem Material, sodass intern weiter geschnitten werden darf. So bekommt das Unternehmen den High-End-Look, ohne für jedes Snippet die externe Produktion buchen zu müssen. Und die Inhouse-Kraft kann auf einem starken Fundament aufsetzen, statt jedes Mal bei Null zu starten.
Wenn Verantwortlichkeiten verschwimmen
Der häufigste Fehler im Hybrid-Modell: keine klaren Verantwortlichkeiten. Wer macht was, ab wann übergibt die Produktion an die Inhouse-Kraft, was sind die finalen Deliverables, in welchem Format, mit welchen Rohdaten, mit welchem Zugriff auf B-Roll?
Bei uns wird das vor jedem Projekt schriftlich fixiert. Eine kleine Übersicht, wer für was verantwortlich ist, welche Übergabepunkte es gibt, was abgehakt sein muss. Genauso wichtig: Alle blicken in dieselbe Richtung. Die externe Produktion muss wissen, in welchen Formaten die Inhouse-Kraft später weiterschneidet, sonst werden zum Beispiel Quer-Bilder gedreht, aus denen sich keine Vertikal-Snippets ableiten lassen.
Empfehlung nach Unternehmens-Größe
Drei Größenordnungen
20-Personen-Unternehmen: In den meisten Fällen empfehle ich externe Produktionen. Die Auslastung für eine Vollzeit-Inhouse-Kraft ist nicht da, und ein Mischjob aus halb Marketing, halb Video bringt selten gute Filme.
50 bis 100 Personen: Sweet Spot. Hier rechnet sich Inhouse oft sehr gut, wenn man klein anfängt und über die Jahre ein zwei- oder dreiköpfiges Team aufbaut. Eine Person filmt, eine schneidet, eine kümmert sich um Projektmanagement und Planung.
200 Personen und mehr / Konzern: Möglich, aber nur mit einer starken Marketing-Leitung, die den Aufbau aktiv treibt und sich durch die langen internen Korrekturschleifen nicht aufreiben lässt. Ohne diese Person kippt das Projekt in Verwaltung.
Was Entscheider unter- und überschätzen
Unterschätzt wird: Wie lange es dauert, sich in jede Plattform und jedes Format einzuarbeiten. Instagram unterscheidet sich stark von TikTok, TikTok von YouTube, YouTube wieder von LinkedIn. Wer alles parallel lernt, kann am Ende nichts davon richtig.
Auch unterschätzt: der Schnittaufwand. Aktuell gibt es noch keine wirklich brauchbaren KI-Tools, die das spürbar abkürzen. Schnitt ist nach wie vor Handarbeit, und ein gutes Content-Piece braucht mehr Stunden, als die meisten Geschäftsführer glauben.
Burnout ist Thema, aber kein Show-Stopper. Wenn klar kommuniziert ist, dass Bewegtbild ein anstrengender Bereich ist, lässt sich das gut steuern.
Überschätzt wird: Output. Inhouse produziert nie so viel, wie das Management bei Vertragsabschluss erwartet. Eine externe Produktion läuft den ganzen Tag wie ein geöltes Uhrwerk auf genau diese Abgabepakete zu. Eine Inhouse-Kraft macht parallel Planung, Filmen, Schnitt, Abstimmung, Ablage. Das kostet, und am Ende stehen weniger fertige Content-Pieces auf der Liste.
Equipment-Erneuerung wird oft als laufender Riesenposten gesehen, ist aber überschaubar. Ein gutes Setup hält drei bis vier Jahre.
Inhouse-Videograf oder externe Produktion: Meine ehrliche Antwort
Wenn du eine externe Produktion an deiner Seite hast, der du vertraust, die kontinuierlich liefert, die deine Marke kennt, dann lohnt sich extern aus meiner Sicht fast immer. Saubere Standards, klare Wiederholbarkeit, planbare Qualität.
Das Problem: Die richtige Produktion zu finden, kostet Zeit. Viele Unternehmen probieren drei oder vier Anbieter durch, bevor sie hängenbleiben. Wenn dieser Suchprozess sich über Jahre zieht, kann es ehrlicherweise klüger sein, die Energie in den Aufbau einer Inhouse-Expertise zu investieren. Inhouse ist kein 6-Monats-Projekt. Bis du wirklich merkst, dass es eine sinnvolle Investition war, vergehen ein bis zwei Jahre.
Die kürzeste Antwort auf die Frage Inhouse-Videograf oder externe Produktion lautet also: Hängt davon ab, ob du eine Produktion gefunden hast, die zu dir passt. Hast du sie, bleib extern und ergänze gezielt mit kleinen Inhouse-Bausteinen für tagesaktuellen Content. Hast du sie nicht, baue inhouse auf, aber klein, geduldig, mit klarem Format-Fokus.
Wenn du dich gerade in genau dieser Entscheidung befindest und eine zweite Meinung suchst, melde dich. Ein Erstgespräch dauert 20 Minuten, kostet nichts, und am Ende hast du eine ehrliche Einordnung, ob in deinem konkreten Setup Inhouse oder extern besser passt. Mehr zu unserem Setup als externe Hamburger Videoproduktion findest du hier.
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